39. Der Aufbruch


 

Erstsendung: Montag, 16.01.1994 - 20:15 Uhr - Dauer: 02:05 Stunden
Zuschauer: 12,4 Millionen

 

 

Inhalt:

 

Vera und Hermann Eurich bemühen sich nach Kräften, das L’Auberge zu betreiben. Als Vera Ludwig aus der Klinik abholen will, hat dieser entgegen ärztlichen Rat, das Krankenhaus bereits verlassen. Vera besucht Ludwig auf dem Rummelplatz und möchte ihm ein Buch übergeben, welches er im Krankenhaus vergessen hat. Ein Buch über einen Ort, der Ludwig fasziniert und begeistert: die Insel Mauritius. Bevor sie mit Ludwig sprechen kann, sieht sich Vera eine Vorstellung in Ludwigs Puppentheater an. Im emotionalen Schauspiel erkennt sie, was Ludwig bewegt und beschäftigt. Als Ludwig plötzlich starke Schmerzen im rechten Arm bekommt, muss die Vorstellung abgebrochen werden. In einem Gespräch merkt Vera, dass Ludwig jegliche Hilfe von ihrer Seite ablehnt. Erst als er Vera verspricht, sich bald bei ihr zu melden, verlässt Vera etwas beruhigter den Rummelplatz. Kurze Zeit später verkauft Ludwig das Puppentheater. In einem kurzen Schreiben informiert er Vera, dass er nach Mauritius gereist ist und dort ein neues Leben beginnen möchte. Oma Drombusch, deren Zustand es nicht erlaubt, dass sie weiterhin allein lebt, wohnt inzwischen in der Alten Mühle. Tina hat sich endgültig von Holger getrennt, da sie seine Haltung in dem anstehenden Prozess gegen Frau Werbelhoff auf keinen Fall gutheißen kann. Tief gekrängt, gibt Holger Marion zu verstehen, dass Maximilian der Grund für seine Trennung von Tina ist. Marion möchte dies genau wissen, und stattet Maximilian einen Besuch ab. Tatsächlich findet sie dort Maximilian und Tina vor. Beide sind sich bei einem Abendessen näher gekommen. Marion will diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen und berichtet Tina, wer es war, der ihren Vater ins Gefängnis gebracht hat: Holger. Aufgrund dieser Nachricht sieht Tina keinen Grund mehr, ihren ehemaligen Lebensgefährten zu schützen. Schonungslos sagt sie vor Gericht die Wahrheit. Aufgrund ihrer Aussage wird Holger verurteilt und Frau Werbelhoff kann mit einer dauerhaften finanziellen Unterstützung rechnen. Marion nimmt Holger nach dem Urteil bei sich auf. Aus Kostengründen bittet sie Vera, Ludwigs ehemalige Wohnung in der Alten Mühle beziehen zu dürfen. Vera ist einverstanden, knüpft ihre Zusage allerdings an bestimmte Bedingungen. Nach einem emotionalen und schonungslos offenen Gespräch mit Jürgen, erkennt Vera, was Ludwig in den letzten Jahren alles für sie geleistet hat. Daraufhin beschließt sie, nach Mauritius zu reisen und Ludwig zur Rückkehr zu bewegen. Marion, Holger, Daniel und Oma bleiben allein in der Alten Mühle zurück. Oma, nun komplett geistig verwirrt, zündet im weihnachtlich dekorierten Lokal mehrere Duzend Kerzen an. Der Weihnachtsbaum fängt Feuer und das gesamte Anwesen geht in Flammen auf. Holger geling es im letzten Moment, Oma aus dem brennenden Gebäude zu retten. Durch die Katastrophe alarmiert, kehren Vera und Ludwig zusammen von Mauritius zurück und beschließen im Angesicht der komplett zerstörten Mühle, einen gemeinsamen Neuanfang zu starten…

 

 

Darsteller:

  • Vera Drombusch (Witta Pohl)
  • Marion Drombusch (Susanne Schäfer)
  • Thomas „Thomi“ Drombusch (Eike Hagen Schweikhardt)
  • Margarete Drombusch (Grete Wurm)
  • Bettina „Tina“ Drombusch (Marion Kracht)
  • Daniel Drombusch (Jan Harndorf)
  • Ludwig Burlitz (Günter Strack)
  • Yvonne „Yvonnche“ Boxheimer (Anja Jaenicke)
  • Richy Drombusch (Jacques Hipplewith)
  • Herbert Reibold (Heinz Gerhard Lück)
  • Claudia Reibold (Christiane Pauli)
  • Dr. Maximilian Lechner (Sigmar Solbach)
  • Frau Werbelhoff (Jane Tilden)
  • Holger Kretschmar (Max Herbrechter)
  • Jürgen Baumert (Christian von Richthofen)
  • Frau Kreutzer (Karin Rasenack)
  • Frau Wambacher (Margot Nagel)
  • Richter (Alfred Eich)
  • Staatsanwältin (Uta Hallant)
  • Holgers Rechtsanwalt (Wolfgang Condrus)
  • Käufer des Puppentheaters (Martin Olbertz)
  • Krankenschwester (Iris Stromberger)
  • Interessentin Haushaltsauflösung (Ines Baric)
  • Interessent Haushaltsauflösung (Drago Ragutin)
  • Notarzt (Frank Behnke)
  • Tanja (Jonny Bongers)

 

Zitate: 

Vera
(zu Thomi): Übrigens bitte ich dich zum letzten Mal künftig das Hoftor abzuschließen. Sonst steckt der Schlüssel von innen.
Thomi:
Heute kannst du wieder alleine sein, das war mal anders!
Vera:
Ich habe mir meinen Zustand damals nicht ausgesucht, sehr im Unterschied zu dir.

 

Jürgen: Wo wärst du denn ohne ihn (Ludwig)?
Vera:
Wo wär ich denn?
Jürgen:
Kommt dir da keine Idee?
Vera:
Welche?
Jürgen:
Vielleicht warst du damals zu krank und zu sehr mit dir beschäftigt – verständlicherweise - um zu wisse was er alles für dich getan hat. Und da wie des so läuft. Dann ist die Zeit drüber gegange und heut geht’s dir gut, da erinnerst du dich net mal mehr. Des geht mich nix an. Aber, wenn de Ludwig so beleidigt reagiert hätte wie du, dann wärst du heute noch in dieser Nerveklinik. Oder wie war denn des, als du mit dem Yvonnche und uns allein warst? Es ist los gegange und du hast unser Tanja zur Welt bringe müsse, ne einfache Krankenschwester, die nie Geburtshilfe gelernt hat. Wer hat denn dir bewiese, dass du kannst was du musst? Oder glaubst du dein Selbstvertraue ist vom Himmel gefalle? Und des Lokal dort drübe: Wer hats denn dir zugespielt, und dich gezwunge aus em allein sein rauszukomme? Mir tät da noch vieles einfalle. Aber des ist so sicher wie des Amen in der Kirche: Wenn du abarbeite müsst, was du dem Ludwig zu verdanken hast, dann hättest du 1 Jahr lang kein einziger freie Tag, des sag ich dir.

 

Marion: Oma?
Oma: Mein Geld ist weg, gestohlen, mein ganzes Geld.
Marion: Hier stiehlt kein Mensch was. Vielleicht weiß Mutti, wo es ist. Wo ist sie überhaupt? Ihr Auto ist weg.
Oma: Ich weiß es nicht.
Marion: Jetzt beruhig’ dich mal. Das Geld finden wir schon. Wo ist denn dein Taschentuch?
Oma greift in ihre Schürzentasche und findet ihr Portemonnaie.
Oma: Oh nein! Ich weiß nichts mehr, ich weiß nichts mehr, ich weiß einfach nichts mehr.

 

Richter: Frau Drombusch, ich freue mich, dass Sie sich für eine Klingel entschieden haben, aber, wir wollten nicht wissen, welche Klingel Ihnen am besten gefällt, sondern welche Klingel der Angeklagte Ihrer Meinung nach an dem besagten Abend betätigt hat.
Oma Drombusch: Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen? Warum fragen Sie den jungen Mann nicht selbst, mit welcher Klingel er... er müsste es doch am besten wissen... naja, sie ist ja doch an seinem Rad..."
Oma (später zu Vera): Gut aussehender Mann, der Richter.

 

Tina: ... Jetzt komm, gib dir eine Chance.
Herr Reibold: Mir?
Tina: Ja, oder willst du weiterhin wie ein Trauerklos hierum sitzen.
Herr Reibold: Deine Deutlichkeit hat sehr viel Aufmunterndes.
Tina: Ja, Aufmunterung hast du jetzt auch nötig.
Herr Reibold: Wer sich mit dir anlegt, wäre an diesem Tag besser im Bett geblieben.
Tina: Vererbt sich alles.

 

Ludwigs Abschiedsbrief an Vera:

 

Liebe Vera,

 

wenn du diesen Brief liest, bin ich schon weit weg – auf Mauritius! Und dort will ich auch bleiben. Meine besten Wünsche sind immer bei dir.

 

Dein Ludwig
 
Vera (zu Ludwig): ... Denk’ dran. Wirkliche Millionäre kleiden sich unauffällig.
 
Vera: Ist es nicht seltsam? Was wir zuhause nicht geschafft haben, das schaffen wir hier. Warum bist du weggegangen?
Ludwig: Ich versuchs ein zweites Mal anzufangen.
Vera: Ihrer Vergangenheit davon zu laufen, das haben schon andere nicht geschafft.  
Ludwig: Vergangenes kann man vergessen, wenn keiner da ist der fragt.
Vera: Sind die Fragen damit aus der Welt? Müssen wir keine Antwort finden, wenn keiner da ist der Fragen stellt? Ist Vergangenheit dann ungelebt?
Ludwig: Wozu kann sie gut sein? Es anders zu machen, besser. Ich möcht’ mir selbst genug sein können. Diese Ruhe möcht’ ich finden, das macht unverwundbar.
Vera: Ach, Ludwig. Gibt es das? Unverwundbar waren Adam und Eva im Paradies und selbst denen hat der liebe Gott einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Ludwig: Adam und Eva.
Vera: Willst du es unbedingt alleine schaffen? Ich muss in letzter Zeit sehr oft an Sigis Abschiedsbrief denken. Es war ihm ein schlimmer Gedanke, ich könnte alleine bleiben. Er hielt offenbar nicht viel vom Alleinsein.
Ludwig: Du hast die Kinder.
Vera: Den Fehler, mich um Kinder zu kümmern, die längst erwachsen sind, den habe ich einmal gemacht. Schließlich besteht nichts ewig, auch Familie nicht. Sie gehen höchstens in jüngeren Familien auf. Aber dieses Leben ohne Familie, das muss ich erst noch lernen.
Ludwig: Es lernt sich alles, sogar das Alleinsein.
Vera: Darauf trinke ich nicht. Ich trinke auf eine schöne Zeit mit dir. Ich hoffe, du hast nichts vor.
 
Vera: Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll, deinen Mut, alles hinter dir zu lassen oder deinen Optimismus, hier das Glück deines Lebens zu finden. Kommst auf den Ort an?
Ludwig: Auf die Wertung. Wer nichts hat, lässt nichts hinner sich. Abgesehen von der wunderbaren Insel, auf der die Menschen hier lebe, habbe se net viel. Aber sie sind zufriede, sie wisse es halt net besser, vielleicht sind sie deshalb glücklich.
Vera: Ludwig, die Bewohner hier sind in die Armut hineingeboren. Die wissen es nicht besser, die sind noch nicht wach. Denen genügt noch die Antenne auf den Wellblechdach. Aber du weißt es besser. Funktioniert das dann auch mit dem Glücklich sein? Allein.
Ludwig: Allein oder zu zweit, wer in die falsche Richtung läuft, der muss umkehrn, das war schon immer so. Vera, es hat doch nicht alles im Lebe mit Geld und Besitz zu tun.
Vera: So, jetzt kommen wir der Sache schon ein bisschen näher. Denn uns hast du auch zurückgelassen. Uns hast du bisher noch mit keinem Wort erwähnt.
Ludwig: Wer ist uns?
Vera: Wir, deine Freunde.
Ludwig: Ich hab keine gesehn.
Vera: Ja, ich weiß. Wenn du in ein Loch gefallen bist, dann sind immer die anderen daran schuld. Und wenn du mich fragst, Ludwig, du steckst immer noch in diesem Loch und bastelst dir deine Welt zurecht und verscheuchst alle, die dir daraus helfen wollen. Wo ist der Ludwig, der den Kindern so viel Kraft gegeben hat, der sie hat glauben lassen an die Macht des ersten Sonnenstrahles nach der finsteren Nacht. Dafür hätte ich dich küssen mögen, wie der kleine Häbbes sein Gottvertrauen in die Hand nimmt, aufs Dach steigt und auf das Wunder wartet. Morgen, wenn die Sonne aufgeht, dann wird alles gut.
Ludwig: Warum hast du mir nicht gesagt, daß du in der Vorstellung warst.
Vera: Wer hört es schon gerne, daß er falsch ist und kein Herz hat. Das ist wohl das Malleur, Ludwig, dass wir in uns beiden Menschen sehen, die es gar nicht gibt.

 

 Ludwig zu Vera: Du hast mir Fragen gestellt, Vera, du hast zwar net alle ausgesproche, aber ich will auch die beantworte. Ich mag dich, das weißt du und daran wird sich auch nie etwas ändern. Aber lass mich es so sage, ich glaub net mehr an uns. Was wär ich denn bei dir zuhaus, de gute alte Onkel Ludwig, den’s in die weite Welt gezoge hat und der mit volle Händ zurückkommt, mit Händ voll Biergläser in deinem Lokal. Aber den Ludwig, den gibt’s net mehr. Entweder ich schaff’s hier, oder es war halt net mehr los mit mir. Dann habe ich wenigstens einmal ins Paradies gelinzt. Du hast gesagt, ich hab Mut hierher zu komme, allein. Das mag stimme, aber mir fehlt der Mut zurück zugehen.

 

Letzte Szene der Serie:

 

Ludwig und Vera verlassen die abgebrannte „Alte Mühle“. Im Torbogen dreht sich Vera um und blickt auf einen der Eingänge:
Vera:
Vielleicht kommen wir von dort ins Haus.
Ludwig:
Nicht zurück, Vera.
Die beiden verlassen langsam das Anweisen. Vera greift nach Ludwigs Hand. Hand in Hand gehen sie die Zufahrt entlang Richtung Strasse.